Archiv   

Das spezielle Thema

Der 100ste. Geburtstag  
unserer Tante Sophie
im Februar 2001. 
-Erinnerung und Nachruf zum 101sten. Geburtstag 
im Februar 2002-

Der 100. Geburtstag von Sophie Stelzl, geborene Gritschmeier, am 05.02.2002
geboren am 05.02.1901 in Wiesent/Opf. -  verstorben am 12.08.2001 in München

Unsere Tante Sophie Stelzl, geborene Gritschmeier, wurde am 5. Februar im Jahr 1901 in Wiesent/Oberpfalz, Ortsteil Waffenschmiede geboren und war, soweit bekannt, die erste gebürtige Wiesenterin, die dieses biblische Alter erreichte. Auch wenn sie bereits mit 20 Jahren ihre Heimat verließ, so wurde ihr die Heimat nie fremd, sie blieb in ihrem Herzen immer eine "Wiesenterin", nicht nur weil dort auch noch Verwandtschaft  lebt. Über die Tageszeitung Donau-Post, die sie seit Jahrzehnten bezog, war sie bestens über das Geschehen in der "Heimat" informiert.

Das große Ereignis des 100. Geburtstages sehnte sie sich förmlich herbei, doch als dieses endlich da war, war sie so aufgeregt, daß sie ihr langjähriger Hausarzt mit einer Spritze beruhigen mußte. Die Beruhigung fiel aber so gut aus, daß sie einige Zeit schlief. Aber nachmittags und abends war unsere Tante wieder in ihrem Element und genoß sichtlich die Aufmerksamkeiten, die ihr von den Verwandten aus München und Wiesent zu teil wurden.
Alle Tageszeitungen, wie Bildzeitung, Münchner Merkur, TZ, Abendzeitung, Donaupost und einige Regionalblätter haben ganz groß und mit Bildern über dieses besondere Ereignis und vor allem über diese besondere Person berichtet (siehe Bild).

Für diesen Tag hatte sie sich, die stets auf ein gepflegtes Äußeres Wert legte, besonders schön machen lassen. Sie ließ sich die Haare frisieren, Rouge auflegen, Lippenstift auftragen und schickte ihre Pflegerin Schwester Gratia in eine Parfümerie. Die Schwester vom Dritten Orden musste ihr pinkfarbenen Perlmutt-Nagellack besorgen. Wie "Königin Mutter aus England" erschien sie nachmittags zum Kaffee in der Gastwirtschaft, zur Feier ihres Geburtstages. Mit Applaus wurde sie begrüßt und nahm mit sichtlicher Freude die Gratulationen entgegen. Eine Gruppe der Heimbewohner schenkten ihr ein Bild, trugen ein Gedicht vor und sangen für sie Lieder. Eine besondere Freude bereiteten ihr aber die Besuche und Gratulationen der Frau Stadträtin Barbara Schöne als Vertreterin des Oberbürgermeisters Ude der Stadt München und des 1. Bürgermeisters Herrn Rösch aus Wiesent. Herr Rösch kam extra mit seinem Stellvertreter aus der Oberpfalz zu diesem besonderen Ereignis angereist. Mit sichtlicher Freude nahm sie die Geschenke entgegen. Von der Vertreterin des Oberbürgermeisters der Stadt München bekam sie einen Freßkorb, einen schönen bunten Blumenstrauß, Urkunden auch mit Glückwünschen des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Stoiber und Münzen überreicht. Der historische Bildband der Gemeinde Wiesent, ihres Geburtsortes und diverse Geschenke wurden ihr vom  1. Bürgermeister Herrn Rösch übergeben.
                                                                   Lebenslauf unserer Tante:

Vor rund 80 Jahren hatte Tante Sophie ihr Heimatdorf Wiesent und ihre acht Geschwister verlassen um in München ihr Glück und Arbeit zu suchen. Als Anfangsmädchen hat sie bei einer Herrschaft monatlich 25 Mark verdient. Vier Jahre später fand sie eine Anstellung im Haushalt von Oskar von Miller, dem Erbauer des Deutschen Museums, als Köchin, wo sie dann etwa 50 Mark monatlich Lohn bekam. Dort blieb sie solange bis ihr Dienstherr mit seiner Familie nach den USA auswanderte und seinen Haushalt in München auflöste. Das Dienstzeugnis für ihre Leistungen, wurde von der Ehefrau Marie von Miller unterschrieben (siehe Bild). 
Viel hatte sie erlebt und mit Zufriedenheit blickte sie auf ein ereignisreiches Leben zurück. Zwei Weltkriege, Inflation, Währungsreform und 1945 den Verlust der Wohnung mußte Sie mitmachen. Doch sie verzweifelte nie, sie fand Kraft in ihrem tiefen religiösen Glauben. Sie ließ sich nach dem zweiten Weltkrieg als Sekretärin ausbilden und stellte nebenbei als Kunstgewerblerin verschiedene Artikel her, für die sie sogar Patente und Gebrauchsmusterschutz erhielt.
Außerdem hatte Tante Sophie mit Freude viele Gedichte erstellt. Beispielsweise hatte sie an meinem 50. Geburtstag ein schönes und sehr zutreffendes Gedicht vorgetragen. Bei einer Jubiläumsfeier der Hypo Bank in München hat sie ganz mutig das Podium betreten und der gesamten Vorstandschaft und allen Festgästen ein "zündendes" Gedicht vorgetragen. Dafür erhielt sie großen Beifall. Außerdem war sie eine großherzige Spenderin. Sie hatte gerade in den letzten Jahren viel Geld für gute Zwecke gespendet. Dabei hatte sie auch schon mal Kontakte mit der Prinzessin Uschi von Bayern, der Fürstin von Turn u. Taxis, der Moderatorin vom Bayerischen Rundfunk Brigitte März und verschiedenen Arzt Professoren, wie z.B. Prof. Hellbrügge.
Unsere Tante Sophie war zweimal verheiratet. Die erste Ehe wurde geschieden. In der  zweiten Ehe, die sie nach langem Alleinsein mit einem Bediensteten der Stadt München einging, wurde sie nach einigen Jahren Witwe. Sie blieb kinderlos.
Über zehn Jahre lebte unsere Tante Sophie, die ehemalige Köchin des berühmten Oskar von Miller und Sekretärin   betreut in der Altenwohnanlage in München in einem 35- Quadratmeter-Appartement.
Sie verstarb in ihrer Wohnung an einer Sommergrippe. Die katholischen Sterbesakramente hat sie zuvor erhalten. 


Stolz zeigte sie an ihrem 100. Geburtstag das
Zeugnis der Familie Oskar von Miller


Hier eine der vielen Presseveröffentlichungen

Zeugnistext:
"München,  08.Sept.1925
Zeugnis.
Frl. Sophie Gritschmeier war vom 1.Juni  bis 15.Sept. 1925 bei mir im Dienst und hat sich während dieser Zeit als treues, ehrliches, ordentliches und fleißiges Mädchen erwiesen. Sie kochte gut und schmackhaft. Sie wird wegen längerer Schließung unseres Haushaltes entlassen und kann empfohlen werden.
gez. Marie v. Miller
Ferdinand Millerplatz 3/II"

Grabsteininschrift:
"Ein gutes Menschenherz hat aufgehört zu schlagen.
Viel Leid und Arbeit mußte ich ertragen.
Der Herr nahm mich heim in sein Reich,
dort werde ich ruhen in der Ewigkeit."

Sie starb am 12.08.2001 in München, ein halbes Jahr nach ihrem 100.sten Geburtstag."
Ein erfülltes Leben hat seine Vollendung gefunden."

Update: 02.03.2002